Hatte vorhin aufgeschnappt, dass man im Schnitt im Pflegeheim keine 3 Minuten pro Insassen und Tag an Pflegezeit aufwendet. Dafür ist es dann doch gewaltig überteuert ! Und werden die überhaupt geduscht oder gewaschen ?
Das kommt ganz darauf an, was ärztlich verordnet ist. Einer der wichtigsten Grundsätze ist, Ressourcen zu erhalten. Also jemanden alles selber machen lassen, was geht. Was nicht geht, lässt sich auch nicht in ein paar Pflegegrade pressen, ist individuell. Geduscht werden ist wegen Sturzgefahr eine der Tätigkeiten, die fast jeder Heim-Insasse in Anspruch nehmen muss, selbst wenn er ohne Rollator laufen kann. I.d.R. wöchentlich. Manche waschen sich täglich selber, manche mit Hilfe, manche (noch mobil) im Toilettenstuhl komplett durch Pflegekraft, manche (bettlägrig) komplett im Bett. Die werden natürlich gar nicht mehr geduscht, da sie im Bett von Kopf bis Fuss gewaschen werden.
Für jede Pflegetätigkeit gibt es Zeittabellen zur Abrechnung. Dabei ist die eigentliche Pflege-Tätigkeit nur ein Teil der Arbeit. Den Pflegewagen (mit Verbrauchsmaterialien, Wäschekorb, Abfall) leeren bzw. auffüllen, Urinbehälter oder Bettpfannen leeren kommt dazu, und vor allem die Dokumentation, wo jeder Furz protokolliert wird (z.B. Bilanzierung der Flüssigkeitsaufnahme anhand der Ausscheidungen). Oder die Medizingabe, die im Vier-Augenprinzip (zur Fehlervermeidung) vorbereitet wird. Also eine ganze Batterie an Pillen in die Dispenser sortieren. Und alte Leute bekommen VIELE Tabletten, oder Insulin, oder andere Spritzen.
Dann gibt es zwischen allen Schichten so ca. 15min Übergabe-Gespräche, wo alle erfahren, was mit jedem Bewohner ausser der Reihe passiert ist (Stürze, Arztbesuche, oder Stimmungen usw.). Oder Veränderungen, die man durch Pflegewissen beurteilen kann, wie Hautbild gelb gleich Leber, Augen-, Lippenfarbe blau bei COPD gleich zu wenig Sauerstoff. Und damit es nicht langweilig wird, meldet sich garantiert irgendjemand krank, hat oder wird gekündigt, oder fängt ganz neu an und kennt noch niemanden, sodass wieder improvisiert werden muss, eine Pflegekraft evt. von jetzt auf gleich die Stations-Küche schmeissen muss. Alle paar Wochen gesetzlich vorgeschriebene Weiterbildungen.
Wenn man beim Besuch eines Angehörigen nur auf dem Zimmer ist, und das auch nur in der ruhigen Nachmittagszeit, kann man ja mal überlegen, zu anderen Zeiten zu kommen, in Sitzecken ausserhalb zu klönen, evt. mit Personal, um überhaupt mal einen Eindruck vom Leben im Heim zu bekommen. Scheinbar herrschen da recht weltfremde Vorstellungen, wie (pauschal in den Raum geworfene) 3min Pflegezeit pro Bewohner.
Ich habe der Einfachheit halber das generische Maskulinum verwendet, obwohl bestimmt 4 von 5 Insassen weiblich sind.